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Von Antje Neuborn

 

Wenn’s nach 25 Jahren richtig funkt

 

Eine besondere Jesus-Erfahrung mit Büchern

 

 

Alles fing mit einer Riesenwut im Bauch an. Wir schreiben das Jahr 2003. Eine angehende Kulturwissenschaftlerin der Universität Lüneburg trägt ihre fast fertige Magisterarbeit zu ihrem Musikprofessor. Voll freudiger Erwartung demnächst ihren ersehnten Studienabschluss in Händen zu halten, und endlich "Adé, Elfenbeinturm!", sagen zu können. Ihre Passion ist nämlich der Hörfunkjournalismus.

Doch leider zerplatzt der Traum wie eine Seifenblase: Die Arbeit wird in ihre Einzelteile zerpflückt und geht mit dem Kommentar "Zu verständlich geschrieben - zu journalistisch!", postwendend an die Autorin zurück. Diese schaut sichtlich verwirrt drein, ist schockiert und überlegt, ob sie den Kommentar ihres Professors nicht als Kompliment und als Bestätigung ihrer beruflichen Zukunftspläne auffassen sollte. Sie entscheidet sich dafür – ändert damit aber nichts daran, dass ein erneuter Berg Arbeit und ein weiteres Semester vor ihr liegt.

Zu Hause angekommen folgt etwas, das man als „geistige Windstille“ bezeichnen könnte. Das Gehirn verweigert jegliche kreative Anstrengung auf Papier. Neben dem Computer steht linker Hand ein großes Bücherregal. Keine Fachbücher, sondern alles Titel, die schon länger begierig darauf warten, gelesen zu werden. Nun gut, der Kopf ist leer (der Bildschirm auch) – ein Anblick, der nicht wirklich erbaulich ist. Also Aktion Strom sparen. Zeit für ein gemütliches Lesestündchen (oder vielleicht auch mehrere ...). Die Augen schweifen an den zahlreichen Buchrücken vorbei und bleiben bei "Kind in seinen Armen" von Brennan Manning hängen.

Die Stromrechnung sinkt stetig. Vier Wochen kein Computer, kein Fernseher und kein Radio in Betrieb. Sämtlichen Büchern von Brennan Manning geht es stattdessen an den Kragen (oder sagen wir besser an die Buchstaben). Sie werden nur so verschlungen und erweisen sich als äußerst bekömmlich. Alle Werke haben nur ein Grundthema: Gottes Liebe. Das Thema kann regelrecht süchtig machen! Aber: Was tun, wenn alle letzten Seiten gelesen sind und das nächste Buch erst noch geschrieben werden muss? Sei flexibel, weich spontan auf andere Autoren mit dem gleichen Herzschlag aus! Brent Curtis & John Eldredge "Ganz leise wirbst du um mein Herz". Danach gab es kein Halten mehr: Es hat gefunkt! Die innere Revolution eines bis dato 25jährigen Glaubenslebens.

Wenn ich früher emotionale Menschen traf, dachte ich nur: "Nur eine Frage der Zeit, bis die Wolke Sieben sich in Wohlgefallen auflöst. Der (oder die) beruhigt sich schon wieder!" Aber nur das regelmäßige „Nicht-Beruhigen“ führt zu einer tiefen und innigen Gottesbeziehung, frei von bloßer Religiosität und Traditionsdenken. Wie gut, dass Jesus Christus nie aufhört, um uns zu werben. Auch wenn es ein viertel Jahrhundert dauert, bis es richtig funkt. "Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte." (Jeremia 31,3)

 

 

Antje Neuborn ist Kulturwissenschaftlerin und freie Hörfunkjournalistin aus Hannover.

Aus: "Aufatmen" 1/2007, Bundes-Verlag