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Die Liebe des Vaters

 

Am Abend, als der Vater nach Adam und Eva rief und die beiden sich versteckt hatten, weil sie nun wussten, dass sie nackt waren, an jenem Abend ging der Vater sehr nachdenklich aus dem Garten nach Hause.  

Er war so traurig, weil er nun gesehen hatte, was die Schlange seinen Kindern angetan hatte. Kaum hatten sie von der Frucht des Baumes der Erkenntnis von gut und böse gegessen, da waren sie vor Scham fast im Boden versunken und hatten sich panisch versteckt, als sie hörten, wie der Vater in den Garten kam.

Ja, sie hatten ihre Unbekümmertheit verloren, ihre freie, unbekümmerte Art, ihre Fröhlichkeit,  ihr Leben ohne Sorgen. Dem Vater liefen die Tränen über die Wangen, als er darüber nachdachte, dass seine Kinder sich gegen die Freiheit entschieden hatten. Er wusste, was zu tun war. Er musste verhindern, dass sie auch noch vom Baum des Lebens essen, damit sie nicht ewig in der Erkenntnis von gut und böse leben müssten, denn was für ein Alptraum wäre es, wenn alle Tyrannen dieser Welt ewig leben würden.  

Das Herz des Vaters wurde schwer, als er darüber nachdachte, dass seine Kinder nun außerhalb der Lebensgemeinschaft mit IHM leben würden.

Am meisten tat es ihm weh, weil sie sich freiwillig dagegen entschieden hatten, in unmittelbarer Lebensgemeinschaft mit IHM zu leben. Doch noch auf dem Weg nach Hause, stand sein Plan fest. Ich hole sie zurück in die Lebensgemeinschaft mit mir, ich möchte doch mit meinen Kindern im Dialog sein. Sein Entschluss stand fest, er würde selbst die Schuld der Trennung tragen.  Ja, sein Sohn Jesus würde diese Schuld sühnen. Nein, die Schlange hatte vielleicht eine Schlacht gewonnen, nicht jedoch den Krieg.

Mehr als 2000 Jahre später war es soweit.

Und als sein Sohn Jesus am Kreuz für die Schuld der Menschen starb,

da zerriss der Vater den Vorhang zum Allerheiligsten im Tempel.

Jetzt, meine Kinder, jetzt ist der Weg wieder frei zu mir,

wenn ihr das, was mein Sohn Jesus für Euch tat, ergreift,

dann gibt es nichts mehr, was die Gemeinschaft zwischen uns trüben kann,

denn alles ist ausgelöscht,

alle Eure Schuld habe ich in meinem Sohn Jesus für Euch getragen,

schaut, er ist die Wahrheit und das Leben,

er ist der Weg zurück zu mir.

 

Und begeistert machten sich die Menschen auf,

die neue Freiheit in Jesus zu ergreifen.

Doch die Schlange, dieses listige Tier lebt immer noch.

Und auch die Schlange ruhte nicht,

sich neue Wege und Möglichkeiten zu ersinnen,

den guten Plan des Vaters zu vereiteln.

Die Schlange hatte begriffen,

dass sie nichts mehr daran ändern konnte,

das Jesus alle Schuld der Menschheit getragen hat.

 

Also suchte sie nach neuen Möglichkeiten,

das Herz der Menschen für die Liebe des Vaters zu verschließen.

Die Schlange sah schon bald, dass äußere Not häufig dazu führte,

dass Menschen die Nähe des himmlischen Vaters suchten.

 

Also schlug sie einen anderen Weg ein, erdachte sich einen listigen Plan.

Was wäre, so dachte sie bei sich,

wenn ich es den Menschen gut gehen lasse?

 

So wuchs der Wohlstand, viele hatten Arbeit, Glück, eine Familie,

und auch den Gottlosen ging es richtig gut,

manchmal sogar viel besser als den Christen,

und so langsam schlichen sich die alten Mechanismen

bei den Christen ein.

Langsam, ganz langsam fingen die Christen an,

sich immer mehr um ihre Belange zu kümmern,

dabei wollte Gott sie doch in die alte Unbekümmertheit befreien,

er wollte doch, dass Sie sich nur darum kümmern sollten,

Gemeinschaft mit dem Vater zu haben,

für den Rest wollte er doch sorgen.

Sie sollten wie die Vögel sein,

total frei, sorglos,

fröhlich ihre Stimme zu ihm erheben,

fröhliche Kunstflüge veranstalten,

keine Vorräte anlegen,

und dennoch versorgt sein.

Dennoch!

 

Vom PAPA

 

Doch stattdessen, fingen die Christen an, die anderen zu beneiden.

Schau mal, unser Nachbar, ein neues Auto...

Schau mal, so ein Haus wäre doch toll...

und eh sie sich versahen,

waren sie in den Gedanken gefangen.

 

Sie merkten es kaum,

doch sie fanden keinen Raum mehr,

dem Vater zu begegnen,

zu beschäftigt waren sie mit den Sorgen.

Umsorgen, versorgen, besorgen, umsorgen, versorgen, besorgen.

 

Eines Tages stand der Vater vor der Tür.

Doch sie erkannten ihn nicht mehr.

Traurig ging er davon.

Zu beschäftigt waren seine Kinder,

um noch Augen zu haben für den Papa.

 

Traurig ging er auf der Dorfstraße zum Ortsausgang.

Im Dunkel des vorweihnachtlichen Abends

hätte er die junge Frau fast nicht gesehen.

Still saß sie auf einer Bank am Weg

und schaute in den Nachthimmel.

 

Was tust Du, fragte er sie.

Ich betrachte den Himmel mit seinen unzähligen Sternen, antwortete die junge Frau,

das hat alles mein Papa gemacht.

 

Dein Papa, frage er verwundert nach.

Ja, sagte sie, das hat mein PAPA gemacht.

 

Er setzte sich neben sie auf die Bank.

Erzähl mir von Ihm, bat er.

 

Er ist der beste Papa der Welt, sagte die junge Frau.

Ich kann mir keinen Besseren vorstellen.

Weißt Du, er hat alles um uns herum geschaffen, aus Liebe zu uns.

  

Woher weißt Du das, fragte der Vater.

Woher ich das weiß? Er hat das alles aufschreiben lassen.

Er schrieb es in ein großes Buch, die Bibel. Kennst Du die Bibel?

 

Ja, sage der Vater, natürlich kenne ich die Bibel.

Da hat er alles aufgeschrieben, sagte die junge Frau; einfach alles.

 

Bist Du ihm schon mal begegnet?

Soll dass ein Witz sein, fragte die junge Frau. Natürlich, er ist doch mein Papa.

 

Wie ist er?

Dabei schaute der Vater die junge Frau genauer an.

Ihre Kleider waren alt und abgetragen,

Ihr Mantel voller Flecken und die Handschuhe hatten Löcher.

 

Er ist so zärtlich und liebevoll. Er hat immer für mich Zeit. Er redet gern mit mir.

 

Du redest mit Ihm, fragte der Vater.

Ja, jeden Tag, fast den ganzen Tag rede ich mit ihm und er mit mir.

 

Wo ist er denn?

Er ist immer da. Er ist mir ganz nahe, so wie sein Wort es sagt.

Wie muss ich es mir vorstellen, fragte der Vater.

Er ist mir so nahe, wie Du gerade jetzt neben mir.

 

Liebst Du ihn, fragte der Vater.

Ja, sagte die junge Frau, und er weiß, wie sehr ich ihn liebe.

 

Wo bist Du zu Hause, fragte der Vater

Bei ihm.

 

Wie bitte?

Ja, hier habe ich schon lange kein Zuhause mehr.

Wieso nicht?

Weil es niemanden gibt, der sich für mich interessiert.

 

Was, fragte der Vater entsetzt?

Nein, sagte die junge Frau und Tränen rollten über ihre Wangen, sie haben keine Zeit für ihre kleine Schwester.

Wieso nicht?

Das frage ich mich schon lange.

Wenn ich manchmal in Ihre Fenster schaue, dann werde ich wieder traurig.

 

Da sind die jungen Paare,

die nur Augen für sich haben,

da sind die Familien,

wo sich alles um ihre Kinder dreht,

da sind die Großeltern,

die sich um die Enkel sorgen,

und selbst der Pastor in der Kirche ist eifrig bemüht,

dass seine Kirche gut dasteht,

nein,

da ist niemand, der sich für mich interessiert.

 

Als die junge Frau so sprach,

liefen dem Vater die Tränen die Wangen herunter.

Er legte seinen Arm um ihre Schulter.

Meine Tochter, sagte er leise,

ich weine mit Dir,

weil sie sich auch für mich nicht mehr interessieren.

 

Papa, fragte die junge Frau, bist Du es?

Ja, sagte er mit leiser Stimme, ich bin es.

Papa, sagte die junge Frau und schaute ihm dabei in die Augen,

Papa, bitte weine nicht,  

ich habe Dich doch lieb!

 

© Winfried Meyer